Ab 15. November gilt das Alkoholkonsumverbot in metronom Zügen – der Anfang ist gemacht. Doch reicht das? Machen Sie mit, fordern Sie einen promillefreien Nahverkehr, unterstützen Sie metronom ALKOHOLFREI!
Alkoholkonsumverbot in Nahverkehrszügen

In zwei Ausgaben unseres Kundennewsletters „momente“ Schwerpunktthema Alkoholkonsumverbot - 01/09 und Schwerpunktthema Fußballzüge - 02/08 berichten wir über den immer häufiger zu beobachtenden exzessiven Alkoholkonsum in metronom Zügen. Wir schilderten die Auswirkungen auf die Fahrgäste, auf Kinder und Jugendliche, unsere Fahrgastbetreuer, die Einrichtung des Zuges und auf die Einhaltung des Fahrplans, wenn angetrunkene Fußballfans und andere alkoholisierte Fahrgäste an den Wochenenden unterwegs sind.



Inzwischen hat unsere Forderung nach einem Alkoholkonsumverbot in Nahverkehrszügen und an Bahnsteigen bundesweites Interesse geweckt und eine rege Diskussion angestoßen. Eine deutliche Mehrheit spricht sich für ein Alkoholkonsumverbot aus. Doch es sind auch andere Äußerungen in der Presse zu lesen, die unseren Vorstoß ins Lächerliche ziehen: Bitte lassen Sie sich nicht durch Aussagen irritieren, ein generelles Alkoholverbot beinhalte den Ausschluss alkoholisierter Fahrgäste von der Fahrt. Wir freuen uns über JEDEN Fahrgast, der mit dem metronom oder anderen Zügen fährt, weil er etwas getrunken hat und sein Auto deshalb stehen lassen möchte. Das ist schließlich einer der Gründe, den Nahverkehr in der Freizeit zu nutzen.

Szenarien, die eine Taschenkontrolle beim Einstieg in den Zug heraufbeschwören, sind ebenfalls absurd. Uns geht es um zwei Dinge: Wir wollen dem exzessiven, mit Bedrohung verbundenen Alkoholkonsum an Bord einen Riegel vorschieben und verhindern, dass Kinder und Jugendliche in unseren Zügen lernen, dass es in Ordnung und damit „richtig“ ist, zu jeder Tageszeit überall Alkohol zu konsumieren. Das würde Alkohol den Stellenwert ganz normalen Reiseproviants verleihen.

Resonanz auf Forderung nach einem Alkoholkonsumverbot in metronom Zügen

Eine deutliche Mehrheit derer, die sich äußerten, sprach sich für ein Alkoholkonsumverbot aus. Viele erkennen, dass es nicht darum geht, eine Minderheit in ihrer persönlichen Freiheit zu beschränken, sondern eine Mehrheit vor Belästigung zu schützen. Hier ein Zitate-Querschnitt:


PRO ALKOHOLKONSUMVERBOT

„Die Bedrohung ist teilweise so massiv, dass man sich fragt, ob die Verharmloser ... das jemals selber erlebt haben und überhaupt wissen, worüber sie reden.“

„An Samstagen, an denen in Hamburg oder Bremen gespielt wird, meiden wir seit langem die Fahrt mit dem metronom.“

„Also, schützen Sie Ihre Angestellten, Fahrgäste und Züge; solange es Menschen gibt, die kein Maß finden, muss man mit Regeln eingreifen.“

„Ich begrüße es sehr, wenn man ein Verbot durchsetzt und könnte dann endlich mal das Auto in der Garage lassen.“

„Zwei Plätze weiter sitzen Schüler auf einem Schulausflug ... Wo ist da das Vorbild?“

„Ich als hochgradig sehbehinderter Mensch begrüße es sehr, wenn es in den Zügen allgemein ein Glasflaschen- und Alkoholverbot gibt.“

CONTRA ALKOHOLKONSUMVERBOT

„Verbote finde ich generell überflüssig. Nur Menschen, die nicht befähigt sind, sich selbst zu reflektieren bzw. zu kontrollieren, brauchen Vorgaben.“

„Wir sind hier nicht in den USA, wo man nicht mal ein Bier auf der Straße trinken darf!“

„Nur weil man selber Antialkoholiker ist, muss man den anderen Leuten nicht gleich alles verbieten wollen.“

„Ich bin gegen ein Alkoholverbot, da es eine Diskriminierung der Fahrgäste darstellt, die Alkohol trinken ohne jemanden zu belästigen.“

Erforderlich: ein Bewusstseinswandel in der Gesellschaft

Sie kennen uns als Eisenbahnunternehmen, das größten Wert darauf legt, dass Sie sich bei uns an Bord wohl und sicher fühlen.

Dafür sind metronom Züge mit freundlichen, gut ausgebildeten Fahrgastbetreuern besetzt und wir beauftragen einen privaten Sicherheitsdienst.

Wir kümmern uns rund um die Uhr darum, dass Sie in sauberen, gepflegten Zügen Platz nehmen können – rund 10.000 mal am Tag übrigens auf einem Stammplatz, den wir Ihnen kostenlos ein ganzes Fahrplanjahr lang freihalten.

Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um Ihnen über unser Fundbüro verloren gegangene Gegenstände zurück geben zu können.

Unsere Kollegen im Kundenzentrum haben immer ein offenes Ohr für Ihre Kritik, Ihre Anregungen, Ihr Lob. Durch unser Beschwerdemanagement lernen wir viel über Ihre Wünsche und über Dinge, die Ihnen in unseren Zügen nicht gefallen.

Heute haben wir einen Wunsch an Sie, unsere Fahrgäste: Wir bitten Sie um Unterstützung, um unserer Forderung nach einem Alkoholkonsumverbot in Nahverkehrszügen Nachdruck zu verleihen. Zusammen mit Ihnen wollen wir eine breite Akzeptanz bei anderen Verkehrsbetrieben und in der Gesellschaft erreichen, die bereits bestehende Nichtraucherregelung auszuweiten auf eine Regelung, die den Konsum von Alkohol in metronom Zügen ausschließt. Lassen Sie uns gemeinsam dazu beitragen, die Menschen, aber auch die Politik für das Thema „Alkohol“ zu sensibilisieren.

Verantwortung übernehmen

Falls Sie noch unentschlossen sind, stellen wir Ihnen hier die wichtigsten Argumente für ein Alkoholkonsumverbot vor:

1. Das so genannte „Vorglühen“ Jugendlicher in unseren Zügen nimmt bedenklich zu.
2. Erwachsene haben Vorbildfunktion für Kinder und Jugendliche, es ist höchst fragwürdig, den Konsum von Alkohol rund um die Uhr in Zügen als Normalität zuzulassen.
3. Vandalismusschäden durch alkoholisierte Fahrgastgruppierungen nehmen neue Dimensionen an.
4. metronom Züge sind Nahverkehrszüge, d. h., Fahrgäste halten sich im Schnitt 60 Minuten im metronom auf – es muss möglich sein, in dieser Stunde auf Zigaretten und Alkohol zu verzichten.
5. Müllberge und Verunreinigungen, die unsere Fahrgastbetreuer nicht mehr bewältigen können.
6. Zunehmende Beeinträchtigung des Reisekomforts und des subjektiven Sicherheitsgefühls durch Gegröhle, Beschimpfungen und vulgäres Benehmen, ein Wohlfühlen im metronom wird erheblich gestört.

Wir stellen uns unserer Verantwortung – sind Sie dabei?

Als niedersächsisches Eisenbahnunternehmen mit täglich rund 80.000 Fahrgästen sind wir uns unserer Verantwortung für Kunden, Mitarbeiter und die Fahrzeuge sehr bewusst. Deshalb räumen wir dem Umgang mit alkoholbedingten Problemen in unseren Zügen eine hohe Priorität ein und fordern ein generelles Alkoholkonsumverbot in Nahverkehrszügen.

Sauberes, sicheres und ruhiges Reisen – für alle Fahrgäste!
Machen Sie mit, fordern Sie den Nahverkehr ohne Promille, werden Sie Unterstützer von metronom ALKOHOLFREI ­– jede Stimme zählt!


Schwerpunktthema Alkoholkonsumverbot - momente 01/09

:diskussion um alkoholkonsumverbot in metronom Zügen

METRONOM FORDERUNG LÖST EINE LEBHAFTE
DEBATTE IN PRESSE UND ÖFFENTLICHKEIT AUS.

Alkoholbedingte Auswirkungen haben hohe gesellschaftliche Relevanz
Die Verringerung alkoholbedingter Schäden gehört für die Weltgesundheitsorganisation WHO zu den wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen, denen sich die Industriestaaten heute konfrontiert sehen: So bestehen nachweislich Zusammenhänge zwischen exzessivem Alkoholkonsum und gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Kosten alkoholbezogener Krankheiten werden allein in Deutschland pro Jahr auf über 20 Milliarden Euro geschätzt. Doch wie soll das Problem des missbräuchlichen Alkoholkonsums wirksam bekämpft werden, wenn viele nicht einmal realisieren, dass es existiert?




Anti-Alkoholinitiativen kontra Werbemillionen
Eine Fülle von Initiativen auf kommunaler, Länder- und Bundesebene, Vorstöße der Polizei, Drogenberatungen und Kirchen, um nur einige zu nennen, sowie das Engagement der Bundesdrogenbeauftragten, Sabine Bätzing, richten sich gegen den Alkoholmissbrauch. Alle suchen nach Multiplikatoren, alle müssen finanziert werden, doch erreichen sie auch die richtigen Zielgruppen?

Dem gegenüber stehen laut Drogen- und Suchtrat über 500 Millionen Euro, die die Alkoholindustrie jährlich gezielt in Werbung investiert. Gerade Jugendliche werden von einer Vielzahl auf sie zugeschnittener Werbemaßnahmen beeinflusst. Gezielt wird auf Community-Effekte gesetzt, der Zusammenhalt unter gleichaltrigen Menschen in den Mittelpunkt gerückt, dessen Lifestyle-Kitt z.B. ein eisgekühltes Szene-Bier darstellt. Oder es wird das Bild des „Genießers“ stilisiert, der Bier, Wein oder Cognac als wesentliches Element seiner Lebensqualität inszeniert – dabei aber nie in der Öffentlichkeit oder in öffentlichen Verkehrsmitteln gezeigt wird. Suchthilfestellen, etliche Studien und die Bundesdrogenbeauftragte weisen seit langem warnend auf den gefährlichen Zusammenhang zwischen Alkoholwerbung und dem Konsumverhalten von Heranwachsenden hin: Der Titel einer ihrer aktuellen Pressemitteilungen lautet „Alkoholwerbung erhöht den Alkoholkonsum von Jugendlichen; Sieben neue Studien belegen: Jugendliche trinken früher und mehr durch Alkoholwerbung“. In dieser Pressemitteilung wird eine Umfrage von Eurobarometer genannt, nach der sogar 82% der Deutschen fordern, dass auf Jugendliche abzielende Alkoholwerbung verboten werden sollte. Leider lässt sich die Meinungsmache der Werbung selbst durch staatliche Institutionen nicht einfach verhindern – zu hart wird um Marktanteile gekämpft, zu einflussreich scheint die Lobby der Alkohol- und Werbeindustrie zu sein. Werbemillionen hier, Aktionismus dort – der normale Menschenverstand fragt sich unwillkürlich: Warum wird nicht umgesetzt, was den größten, schnellsten und nachhaltigsten Erfolg verspricht?

1. Ein Alkoholwerbeverbot.
2. Ein Alkoholkonsumverbot im öffentlichen Raum.

Angesichts der alarmierenden Entwicklung halten wir es für nötig, in unseren Zügen ein Alkoholkonsumverbot auszusprechen und damit Grenzen zu setzen, anstatt nach wie vor auf einen „verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol“ zu hoffen.




Dringend erforderlich: ein Bewusstseinswandel in der breiten Bevölkerung
Für viele Menschen gehören alkoholhaltige Getränke wie selbstverständlich zum gesellschaftlichen Leben: Der eigene Alkoholkonsum wird als eine persönliche Angelegenheit angesehen, die der Staat nicht zu regeln braucht. Doch die Schäden, die der missbräuchliche Konsum von Alkohol zur Folge hat, betreffen eben nicht nur den Einzelnen. Sie belasten dessen Familie, das unmittelbare soziale Umfeld, aber auch die Gesellschaft insgesamt – beispielsweise in unseren Zügen. Die Gewaltbereitschaft richtet sich nicht mehr nur gegen Dinge, sondern gegen Personen und immer häufiger auch gegen unsere Fahrgastbetreuer und Polizisten. Wenn diese angegriffen werden, fragt man sich unweigerlich: Was kommt danach? Wie werden wir uns und unsere Kinder schützen? Wir wollen nicht mehr, dass unsere Heranwachsenden in der Öffentlichkeit mit den Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs konfrontiert werden: Betrunkene, schon morgens mit Bierflasche in der Hand an Bahnhöfen, randalierende Fans in Fußballzügen und exzessiv Trinkende in öffentlichen Verkehrsmitteln. Zumindest in unseren Zügen wollen wir diesem Treiben einen Riegel vorschieben.

Wir alle haben Verantwortung für Kinder und Jugendliche
Große Sorge macht uns vor allem der zunehmende Verzehr von Hochprozentigem durch Heranwachsende, den unsere Fahrgastbetreuer in metronom Zügen beobachten. Laut Drogen- und Suchtrat haben bei den 16- bis 17-Jährigen über die Hälfte in den letzten 30 Tagen fünf oder mehr Gläser Alkohol getrunken. Dabei birgt die starke Verbreitung des Rauschtrinkens („Komasaufen“) ein hohes gesundheitliches Risiko für Jugendliche. In unseren Zügen beginnt das „Vorglühen“ an den Wochenenden bereits ab 19 Uhr – dann steigt man üblicherweise mit Bierkasten oder Wodkaflasche ausgestattet ein. Über diesen alarmierenden Zustand wollen und können wir nicht mehr hinwegsehen. Unsere Fahrgastbetreuer, zum Teil selbst Eltern von Kindern im gleichen Alter, geraten zunehmend in Gewissenskonflikte. Weiten Teilen der Gesellschaft sind diese Tatsachen nicht bewusst und werden – sei es aus Unwissenheit oder auch mangels Problembewusstseins – herunter gespielt oder bagatellisiert. metronom will dieser Form der Problemverdrängung mit Informationen, Berichten und Beobachtungen direkt vom Ort des Geschehens in den Zügen begegnen und zu einer breiten Wahrnehmung beitragen.

Unser Ziel: kein Alkoholkonsum in metronom Zügen
In Kundenzufriedenheitsanalysen glänzt metronom mit hervorragenden Ergebnissen, gelobt werden vor allem die Freundlichkeit des Personals, der Service, die sauberen und komfortablen Züge und die gute Information im Zug. Damit das so bleibt, investieren wir viel in Personalschulungen, Serviceideen, Reinigung. Und im Gegensatz zu anderen Verkehrsmitteln wird der Fahrgast eines nicht finden: In metronom Zügen gibt es keine Werbung, weil wir unseren Fahrgästen ein angenehmes Wohlfühlklima bieten wollen. Deshalb soll ein metronom Zug auch nicht zur Kneipe werden, in der man schon auf der Heimfahrt die ersten Feierabendbiere zu sich nimmt. Durch ein Alkoholkonsumverbot in unseren Zügen schaffen wir Rahmenbedingungen, mit denen dem Alkoholkonsum und dem Alkoholmissbrauch vermehrt Grenzen gesetzt und Unbeteiligte wie Fahrgäste und Fahrgastbetreuer davor geschützt werden sollen, durch den Alkoholkonsum eines Dritten Schaden zu erleiden.

Kinder, Jugendliche und alle, die keinen Alkohol trinken wollen, müssen besser vor dem von ihrer Umwelt ausgehenden Druck zum Alkoholtrinken geschützt werden. Einen „verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol“ lernen sie nur durch Vorbilder und durch klare, eindeutige Regeln. Früh am Morgen der erste Schluck Bier aus der Pulle – und nebenan sitzt eine Schulklasse: Kinder und Jugendliche brauchen gute Vorbilder und nicht Erwachsene, die meinen, im Zug zu jeder Tages- oder Nachtzeit Bier, Sekt oder Spirituosen trinken zu müssen.

Diesen Missständen muss im Interesse des Allgemeinwohls international und national, aber vor allem regional begegnet werden. Als niedersächsisches Eisenbahnunternehmen mit täglich rund 80.000 Fahrgästen werden wir uns dieser gesellschaftlichen Herausforderung im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten stellen. Wir sind uns unserer Mitverantwortung bewusst und räumen deshalb dem Umgang mit alkoholbedingten Problemen in unseren Zügen eine hohe Priorität ein. Wir fordern ein Alkoholkonsumverbot in Nahverkehrszügen!

REAKTIONEN, ARGUMENTE, FAZIT:
MEHRHEIT FÜR ALKOHOLKONSUMVERBOT

In der letzten momente berichteten wir über den immer häufiger zu beobachtenden exzessiven Alkoholkonsum in metronom Zügen. Wir schilderten die Auswirkungen, wenn angetrunkene Fußballfans und andere, alkoholisierte Fahrgäste an den Wochenenden unterwegs sind: verdreckte Züge, aggressive, vulgäre Pöbeleien gegen Fahrgäste und Fahrgastbetreuer, massive Verspätungen, Anschlussverluste.

Unsere Forderung nach einem Alkoholkonsumverbot in Nahverkehrszügen formulierten wir anschließend auch in der Tagespresse, im Radio und auf unserem metronom Meinungsboard im Internet. Daraufhin entbrannten rege Diskussionen. Eine deutliche Mehrheit derer, die sich äußerten, sprach sich für ein Alkoholkonsumverbot aus. Doch neben klaren Aussagen für oder gegen den Alkoholkonsum in unseren Zügen gab es auch durchaus uneindeutige Meinungsäußerungen. Viele Diskussionsteilnehmer sind schon einen Schritt weiter und stellen die Frage nach der Durchsetzbarkeit oder glauben, dass ein Alkoholkonsumverbot nichts bewirkte, da es ohnehin missachtet würde. Wir halten diese Betrachtungsweise jedoch für fragwürdig. Sollen Verbote also grundsätzlich überflüssig sein, weil es immer Personen gibt, die sie missachten?

Auch wird die Frage nach der Sinnhaftigkeit gestellt, wenn es zwar verboten wird, in den Zügen Alkohol zu trinken, an den Bahnhöfen jedoch weiterhin alkoholische Getränke verkauft werden. Ein weiterer Vorschlag lautet, alkoholisierte „Fans“ von den „normalen“ Fahrgästen zu trennen und in separaten Wagen zu befördern. Dieser „grundsätzlichen Lösung“ des Problems möchten wir keinesfalls zustimmen. Warum sollen Fahrgäste, die in diesem Wagen bereits Platz genommen haben, des Platzes verwiesen werden, nur weil eine Sonderzone geschaffen werden soll für Personen, von denen vorauszusehen ist, dass sie aufgrund des zu erwartenden übermäßigen Alkoholkonsums jeden Sinn für angemessenes Verhalten verlieren werden? In diesen Wagen soll dann der ungehemmte Alkoholkonsum stattfinden dürfen? Mit allen Folgeerscheinungen wie Gegröle, Demolieren der Einrichtung und Verunreinigung der Toiletten, um nur einige Beispiele zu nennen?

Es kam auch zu Missverständnissen, die wir gern aus dem Weg räumen möchten. Einige Fans fühlten sich kriminalisiert. Natürlich geht es uns nicht um eine Stigmatisierung. Auch wir wissen, dass es Fahrten zu Fußballspielen gibt, auf denen es zwar laut wird, aber eine positiv-begeisterte Stimmung herrscht und echte Vorfreude auf das Spiel zu spüren ist. Dagegen ist nichts einzuwenden, und der Großteil der übrigen Fahrgäste wird sich weder belästigt oder gar bedroht fühlen.

Außerdem gilt auch weiterhin: ohne Pusten metronom fahren! Das Alkoholverbot soll nur für den Konsum von alkoholischen Getränken innerhalb der Züge gelten. Selbstverständlich werden wir keine Promillegrenze einführen, denn wir freuen uns über Fahrgäste, die das Auto stehen lassen, weil sie Alkohol getrunken haben und stattdessen mit metronom Zügen fahren.


Schwerpunktthema Fußballzüge - momente 02/08

:wir fahr’n den zug kaputt – schalalalalah....

WENN FUSSBALLFANS REISEN, SIND ANDERE FAHRGÄSTE OFT
VERÄRGERT UND FAHRGASTBETREUER ERLEBEN AUSNAHMEZUSTÄNDE.
DREI BLICKWINKEL ZUM THEMA FUSSBALLZÜGE

: allerhöchste eisenbahn für handlungsbedarf!

Die Situation in den Fußballzügen erfordert Konsequenzen.
Bevor ein Fußballzug rollt, muss viel organisiert werden. Der logistische Aufwand ist enorm: Der Sicherheitsdienst muss instruiert, Gespräche mit der Bundespolizei geführt, Lageberichte ausgewertet, kurzfristig Umlaufpläne geändert und oft zusätzliche Wagenparks eingesetzt werden. „Die Anstrengungen sind riesig, die Kosten gigantisch“, stellt Wilmut König, Abteilungsleiter Betrieb und örtlicher Betriebsleiter bei metronom in Uelzen, klar. Wenn der metronom dann fährt, gilt es, weitere Probleme zu lösen.

Falls möglich, werden Fahrgäste und Fans getrennt und in verschiedenen Wagen platziert. „In der Praxis funktioniert das meist nicht“, so ein metronom Mitarbeiter. Müll, Dreck, Scherben und Unmengen Flaschen sammeln sich im Zug an. Mitreisende sind verärgert oder werden belästigt. Auf den Fußböden klebt der Alkohol und oft randalieren die Fans und zerstören das Inventar.


Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist sich der Probleme bewusst. Unter dem Motto „Wir sind am Zug“ hat sich der DFB mit Vertretern der Deutschen Bahn AG, der Deutschen Fußball Liga, der Bundespolizei und der Vereine – von der Bundesliga bis zu den Regionalligen – zusammengesetzt, um Lösungen zu finden. „Ziel unserer Gespräche ist es, für einen Rückgang der sicherheitsrelevanten Vorgänge im Bahnverkehr zu sorgen“, sagt DFB-Sicherheitsbeauftragter Helmut Spahn. „Wenn die Deutsche Bahn künftig situativ mehr Sonderzüge einsetzt und die Vereine relevante Fanreisen mit eigenem Personal begleiten, sind wir einen Schritt weitergekommen.“

Drei Fangruppen werden von Polizei und Fanbeauftragten unterschieden. „Es gibt die A-Fans“, erklärt Polizeikommissar Carsten Lippert „Das sind Fußballfans, die einfach die Spiele anschauen wollen und nichts mit Gewalt am Hut haben.“ Anders ist das bei den B-Fans. „Bei diesen sind viele Ultras“, so Lippert. „Das sind Fans, die ihren Verein unterstützen und sich für diesen aufopfern.“ Außerdem zählen zu den B-Fans jene, die einer Auseinandersetzung mit gegnerischen Fans nicht abgeneigt sind. „Sie randalieren auch einfach so, weil ihnen danach ist“, sagt der Beamte. Und dann sind da noch die C-Fans: „Hooligans. Diese Fangruppe verabredet sich sogar mit den gegnerischen Fans zu Schlägereien, an so genannten ,Drittorten’ “, schildert Lippert.

Die Müll- und Zerstörungs-Wüste, die Fans in den Zügen hinterlassen, will metronom nicht mehr in Kauf nehmen. „In Zukunft muss sich etwas ändern, das sind wir unseren Fahrgästen schuldig“, sagt Henning Weize, kaufmännischer Geschäftsführer des Unternehmens. Immerhin greifen die Vereine ja auch hart mit Stadionverboten durch. Ein solches kann sowohl vom Verein des Fans als auch von einem anderen Verein ausgesprochen werden. Es gilt bundesweit und besteht bis zu maximal drei Jahren – für einen Fan die Höchststrafe: Er darf von der 1. bis zur 3. Liga kein Stadion betreten. metronom kann die Mitnahme der Fans nicht verweigern. „Wir haben eine Beförderungspflicht“, so Weize. Dennoch wird über Konsequenzen nachgedacht: „Es ist nachhaltig zu prüfen, ob als ein wichtiger Lösungsansatz ein Alkohol- und Glasflaschenverbot in unseren Zügen in Frage kommt“, erklärt Weize.

: in meinem handeln fast ohnmächtig

metronom Fahrgastbetreuer Thorsten Brandes berichtet von seinen Fußballfahrten.
Es ist laut, ohrenbetäubend laut! Bierkästen, Wodkaflaschen und andere Alkoholika werden in Massen in den Zug geschleppt und in kürzester Zeit geleert. Der Puls des Fahrgastbetreuers kann jetzt eine Höhe erreichen, wie sie „Formel Eins“-Fahrer beim Start eines Grand Prix haben. Fahrgäste blicken erschreckt, trotz der meist gegenwärtigen Polizei – hier fahren Fußballfans metronom.

Der Zug fährt in Uelzen um 11:09 Uhr nach Hannover und bringt Fans zum Spiel Hannover 96 gegen den Hamburger Sportverein. Die Enge ist erdrückend, durch den Zug zieht Alkoholgeruch, Flüssigkeiten verlaufen auf dem Boden und kleben unter den Füßen. Die Fahrgastbetreuer sind hochkonzentriert und strahlen Gelassenheit aus – oft genügt ein Funke, um die Stimmung umschlagen zu lassen. In Eschede blockieren Fans die Tür und so die Abfahrt, weil eine Gruppe noch schnell auf den Bahnsteig pinkeln muss. Ein paar Halte später zeigt der Alkohol Wirkung: Ein Fan erleichtert sich unter lautem Gegröle weiterer Fans ganz offen auf dem Trittbrett stehend – andere haben eine Sprechstelle „gekapert“ und „beglücken“ die Fahrgäste mit ihren Liedern.

Aufgrund der permanenten Türblockierungen hat der Zug mehr als zehn Minuten Verspätung. Doch diese Fahrt verlief sogar relativ ruhig, es gab keine Gewalttätigkeiten und Zerstörungen. Eine Ausnahme! Ich bin schon bespuckt und angepöbelt worden. Ebenso sind in meinen Fußball-Schichten Tische und Scheiben beschmiert, Toiletten zerlegt und Sitze verdreckt worden. Es kommt immer wieder zu haarsträubenden Situationen, die viel Fingerspitzengefühl erfordern und meist nur mit offener Körpersprache zu lösen sind. Dennoch muss ich oft tatenlos zusehen, wie mein Arbeitsplatz demoliert wird. Eine Stunde Fahrzeit hat heute ausgereicht, um den Zug wie eine Müllkippe erscheinen zu lassen – eine Reinigung ist auf der Rückfahrt frühestens in Uelzen möglich.

Heute war ich für die momente unterwegs. Im Dienst bin ich gegenüber den Fans in meinem Handeln fast ohnmächtig. Man denkt permanent an die „anderen“ Fahrgäste und bemüht sich, das Beste aus der Situation zu machen…

: zeit für die notbremse!

Eine Fahrgastmeinung (gekürzt)
Rund 15 Fußballanhänger, Bistrobereich in der Mitte des metronoms, Unmengen von Bier, Gegröle, Geschrei, Obszönitäten und Gewalt gegen die Inneneinrichtung des Wagens in einem von mir als Pendler bislang nicht annähernd erlebtem Maße. Dazu ein überfüllter Feierabendzug. Die Fahrgäste litten massiv unter der unglaublichen Lautstärke und der damit verbundenen Bedrohung und Angst – die Gruppe rückte mit zunehmender Leerung des Zuges in den Sitzbereich nach. Die Unversehrtheit des Wagens war in Gefahr, ganz zu schweigen vom Sauberkeitszustand. Ist in unserer Gesellschaft alles erlaubt, wenn es unter dem Deckmantel des Fußballs geschieht? Wie kann ein Unternehmen zulassen, dass zahlreiche zahlende Kunden ihr Grundrecht auf Schutz und Unversehrtheit bzw. ihre Menschenwürde verlieren, damit einige Chaoten in der nächsten Stadt ein Fußballspiel sehen können? Das Problem ist – es traut sich keiner, etwas zu tun, etwas zu sagen, oder zu reagieren, wodurch derartige anarchistische Zustände IMMER NORMALER werden: Je mehr ich mich daneben benehme, je unmöglicher ich mich verhalte, desto weniger werde ich dabei von außen belangt. Warum sollte jemand ein Recht auf Beförderung haben, wenn er so gegen jedwede Hausordnung verstößt?

Machen Sie mit – stimmen Sie für sympathischen Nahverkehr ohne Promille!

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